Klinikum Delmenhorst gGmbH
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Wildeshauser Straße 92
27753 Delmenhorst
Dr. med. Rüdiger W. Schlick
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Etwa 8% aller Männer, bei denen eine radikale Entfernung der Prostata wegen eines Prostatakrebses vorgenommen worden ist, leiden als Folge der Operation an einer ständigen Inkontinenz. Diese Inkontinenz kann mehr oder weniger stark ausgeprägt sein, sie verändert aber in jedem Fall das weitere Leben des Betroffenen. Dies geht über allgemeine Unsicherheitsgefühle bis zum Verlust sozialer Kontakte. Manche Männer trauen sich nicht mehr in Urlaub zu fahren oder längere Reisen zu unternehmen oder gar länger ihre Wohnung zu verlassen. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung durch den ständigen Windel- oder Vorlagenverbrauch.
Früher wurde angenommen, dass während der Radikaloperation der Schließmuskel geschädigt worden sei, welches aber nach neueren Untersuchungen vielfach gar nicht der Fall ist. Es scheint vielmehr so zu sein, daß der Schließmuskel, der während der Operation aus seinem Halteapparat herausgelöst worden ist, nach hinten aus dem muskulären Anteil des Beckenbodens abrutscht und daher seine Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen kann.
Vielfach sind in der Vergangenheit Operationverfahren entwickelt worden, um derartige Zustände zu verändern oder zu beheben. Alle diese "alten" Verfahren haben allerdings nur zum Ziel die männliche Harnröhre "abzudrücken" und stellen daher nicht-funktionelle Ansätze dar. 2006 wurde von den Urologen Drs. Gozzi und Rehder - damals an der Universitätsklinik Innsbruck - eine Methode entwickelt, die den zur Zeit einzigen funktionellen Ansatz darstellt. Hierbei wird mit einem Schlingensystem der hintere Anteil der Harnröhre unterpolstert und durch eine spezielle Kraftumlenkung der Schlinge der hintere Harnröhrenanteil mit dem Schließmuskel angehoben und wieder in den Bereich des muskulären Beckenbodens zurückgeführt.
Diese Methode verspricht bei leichten und mittleren Formen der Inkontinenz (bis etwa 5 Vorlagen pro Tag) hohe Erfolgsraten. Bei leichteren Formen kann hiermit eine vollständige Kontinenz (d.h. keine Vorlagen mehr notwendig) bis zu 90 % erreicht werden. Hierbei bleibt der Harnstrahl - im Gegensatz zu anderen Operationen - ungestört.
Der Eingriff wird über den Damm mit einem Schnitt von 5-7 cm ausgeführt, die verwandten Fäden sind selbstauflösend. Der Krankenhausaufenthalt beträgt etwa 4-6 Tage. Beckenbodengymnastik ist nach der Operation nicht mehr erforderlich, die Patienten gehen sofort nach der Operation kontinent - oder wesentlich gebessert - heim.
Von ganz wesentlicher Bedeutung für den andauerenden Erfolg ist die Einhaltung bestimmter Verhaltensmaßregeln, die jeder Patient erhält. Diese sind auch unter dem Punkt Download - Advance Band als pdf-Datei herunterladbar.
Diese Methode ist nicht geeignet bei einem defekten, bei der vorausgegangenen Operation beschädigten Schließmuskel. Dies wird vorab durch eine Harnröhrenspiegelung getestet.
Diese Untersuchung ist nahezu schmerzfrei, sie wird bei uns mit dem z.Zt. modernsten sich auf dem Markt befindlichen flexiblen Cystoskop mit LED Beleuchtung duchgeführt; während der Untersuchung kann der Patient über einen großen Monitor seine eigene Schließmuskeltätigkeit beobachten.
Auch nach einer Bestrahlung sind die Ergebnisse deutlich schlechter, weswegen wir diese Operation nach einer erfolgten Bestrahlung nur in Ausnahmefällen durchführen.
Nach einer TUR-"P" ist die Operation grundsätzlich ebenfalls geeignet, ist aber wegen der ausgeprägteren Narbenbildung etwas reduzierter hinsichtlich der Erfolgsaussichten.
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