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Klinikum Delmenhorst
 

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Klinikum Delmenhorst gGmbH
Klinik für Urologie und Kinderurologie
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Dr. med. Rüdiger W. Schlick
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Nieren- und Harnleitersteine

Allgemeines

Ungefähr fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden unter Harnsteinen. Jährlich erkranken etwa 500 von 100.000 Einwohnern neu. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Der Häufigkeitsgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Steine in den Nieren machen meistens keine Beschwerden, sollten aber ab einer Größe von über 5 mm behandelt werden. Kolikschmerzen werden durch abgehende Steine verursacht, welche im Harnleiter zwischen Niere und Harnblase stecken bleiben. Diese so genannten Nierenkoliken führen wegen der massiven Schmerzen oft zur Krankenhauseinweisung. Steine mit einem Durchmesser bis 6 mm gehen in den meisten Fällen - jedoch nicht immer - spontan ab. Maßnahmen wie die Einlage einer Harnleiterschiene, eine Steinzertrümmerung oder eine URS zur Steinbehandlung sind deshalb auch bei kleineren Steinen gelegentlich notwendig.

Es gibt unterschiedliche Steinarten, die sich in der Entstehungsweise und der Behandlungsweise unterscheiden. Die häufigsten Nierensteine sind kalziumhaltige Steine oder Harnsäuresteine und die Entstehung ist abhängig von einer gewissen"Veranlagung" und der Ernährung. Die Bildung von Cystinsteinen ist vererbbar. Kalziumhaltige Steine sind im Röntgenbild gut sichtbar. Cystinsteine und reine Phosphatsteine sind schlecht sichtbar. Harnsäuresteine können im normalen Röntgenbild gar nicht gesehen werden, da sie kein Kalzium enthalten. Im CT (Computertomographie) sind jedoch alle Steine sichtbar.

 

Vorbeugung (Prophylaxe)

Steine entstehen, wenn die Konzentration gelöster Stoffe im Urin zu hoch ist, man spricht dann auch von Urinübersättigung. Daher sollte allgemein ein übermässiger Flüssigkeitsverlust vermieden werden (z.B. Sauna, Sonnenbäder, Abführmittel), da dann der Urin konzentrierter wird. Bei den meisten Steinen ist eine Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern pro Tag wünschenswert, bei Zystinsteinen sollten vier bis sieben Liter Flüssigkeit zugeführt werden. Das Trinken sollte gleichmäßig über den Tag verteilt und auch vor dem Zubettgehen stattfinden. Gut sind z.B. ungesüsstes Mineralwasser, schwarzer Johannisbeersaft oder Nieren-, Blasen- und Früchtetees. Vermieden werden sollten z.B. größere Mengen an Schwarzem Tee, Kaffee oder Eistee.

Es sollte auf ausreichende körperliche Bewegung, Regulierung des Körpergewichtes und eine ausgewogene Mischkost geachtet werden. Häufiger Fleischgenuss sollte vor allem bei Harnsäuresteinen vermieden werden. Bei kalziumhaltigen Steinen darf auf keinen Fall die Kalziumaufnahme durch die Nahrung vermindert werden. Allgemein gut sind Obst und Gemüse. Allerdings enthalten Rhabarber, Spinat und Spargel viel Oxalsäure und sollten bei oxalathaltigen Steinen vermieden werden, ebenso wie Schokolade.

Behandlung

Bei akuten starken Kolikschmerzen muss zuerst eine ausreichende Schmerzbehandlung erfolgen. Manchmal sind Medikamente zur Schmerzlinderung nicht ausreichend, sodass eine innere Harnleiterschiene von der Blase bis ins Nierenbecken eingelegt werden muss. Anschließend müssen die Steine, sofern sie nicht von selbst abgehen, entfernt werden. Eine medikamentöse Auflösung ist nur bei Harnsäure- und Zystinsteinen möglich. Bei allen anderen Steinen entscheiden die Lage, Anzahl und Größe der Steine, welche Behandlung am erfolgversprechendsten ist.

ESWL (Extrakorporale Stosswellenlithotripsie)
Kleinere Steine in der Niere können gut mit Stosswellen zertrümmert werden. Dabei werden von außen Stosswellen auf den Körper gerichtet, die durch das Gewebe hindurch auf den Stein treffen und den Stein zertrümmern. Die entstehenden Steinbröckchen (sog. Desintegrate) müssen dann von selbst abgehen. Ist dabei die Gefahr für eine Kolik zu groß, muss eventuell vorübergehend eine Harnleiterschiene eingelegt werden. Ein Hautschnitt ist weder für die ESWL, noch für die Einlage einer Harnleiterschiene notwendig.

PCNL (Percutane Nephrolitholapaxie)
Größere Nierensteine können durch eine Punktion der Niere von außen zertrümmert und entfernt werden. Dabei wird nach einem kleinen Hautschnitt eine Kamera mit einem Arbeitsinstrument bis ins Nierenbecken vorgeschoben. Die modernste Entwicklung auf diesem Gebiet ist die sog. Mini-PCNL (besonders zarte Instrumente) welche auch das Klinikum Delmenhorst vorhält.

URS (Ureterorenoskopie)
Steine im Harnleiter werden meistens durch eine URS behandelt. Dabei wird ein dünnes Kamerasystem unter Sicht durch die Harnröhre und die Blase bis in den Harnleiter vorgeschoben. Mit Zangen oder Körbchen wird der Stein gefasst und herausgezogen. Falls er zu groß ist, kann er zuerst mit einem speziellen Laser oder mit Ultraschall in kleine Bruchstücke zertrümmert werden.

 

Komplikationen und Spätfolgen

Durch Harnleitersteine kann es zu einem Aufstau des Urins bis in das Nierenbecken kommen. Wenn dies nur über einen kurzen Zeitraum dauert, nimmt das Nierengewebe in der Regel keinen Schaden. Dauert dies jedoch länger, so vermindert die Niere ihre Funktion, im schlimmsten Fall bis zur völligen Funktionslosigkeit. Bei Nierenstau sind daher engmaschige Kontrollen notwendig. Wenn noch ein Harnwegsinfekt mit Fieber oder Schüttelfrost hinzukommt, kann die Niere vereitern; daher muss in solchen Fällen sofort eine Behandlung erfolgen. Ansonsten kann es zu einer lebensbedrohlichen Infektion des gesamten Körpers (Urosepsis) kommen.

 

Letzte Aktualisierung 27.02.2012nach oben

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