Klinikum Delmenhorst gGmbH
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Wildeshauser Straße 92
27753 Delmenhorst
Dr. med. Rüdiger W. Schlick
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Tumoren der Harnblase sind die häufigsten Krebsarten des Harntrakts und nach den Prostata-Tumoren die zweithäufigsten im Bereich des Urogenitaltraktes. Das Blasenkarzinom ist die sechsthäufigste Tumorerkrankung weltweit. Männer sind rund dreimal häufiger davon betroffen als Frauen. 80 Prozent der Neuerkrankungen treten nach dem 60. Lebensjahr auf.
Meist ist das erste und sehr ernst zu nehmende Zeichen die Blutverfärbung des Urins durch eine schmerzlose Blutung aus der Geschwulst. Die Blutungen können für Tage, Wochen oder sogar Monate aussetzen, während sich die Geschwulst weiterentwickelt. Zusätzlich können Probleme bei der Blasenentleerung auftreten wie häufiger Harndrang, Brennen oder Schmerzen in der Blasengegend. Tumorbedingte Verlegungen der Harnleitermündung in der Blase mit Nierenaufstau ist demgegenüber selten und manchmal ein Zeichen einer fortgeschrittenen Erkrankung.
Die Diagnose eines Blasenkrebses erfolgt durch eine Blasenspiegelung. Zur Bestätigung der Diagnose und zur Bestimmung des Tumorcharakters ist eine histologische Untersuchung unter dem Mikroskop nötig. Mit einem durch die Harnröhre in die Blase eingeführten Instrumentes wird in Narkose der Blasentumor mit einer Elektroschlinge entfernt. Kleinere Tumoren können so vollständig wegoperiert.
Mit Hilfe der feingeweblichen Untersuchung können die Blasenkrebse in zwei große Gruppen eingeteilt werden:
Während oberflächliche Tumoren durch die Blase operiert werden können, sollte bei invasiven Tumoren eine radikale Entfernung der Harnblase erfolgen. Beim Mann werden dabei zusätzlich die Prostata und die Samenblasen mitentfernt. Bei der Frau wird üblicherweise die Gebärmutter, die Eierstöcke und ein Teil der Scheidenvorderwand mitentfernt.
Meistens wird die Blase durch eine Ersatzblase aus Darm an gleicher Stelle ersetzt. Man spricht von einer sogenannten orthotopen Neoblase aus Dünndarm, die gute Ergebnisse bezüglich der Blasenentleerung und der Kontinenz verspricht. Bei diesem Operationsverfahren kann die Patientin bzw. der Patient auf normalem Wege Wasser lassen, eine Beutelversorgung entfällt. Wenn bei sehr ausgedehnten Tumoren die Harnröhre mitentfernt werden muß, ist eine derartige Versorgung nicht mehr möglich. Es erfolgt dann entweder die Anlage eines Urinreservoirs, das durch die Haut - meistens durch den Nabel - mittels einem Einmalkatheters entleert wird (sog. Pouch) oder die Ableitung des Urins in den Enddarm (sog. MAINZ Pouch II). Bei diesen beiden Operationsverfahren ist ebenfalls keine Beutelversorgung notwendig. Diese Verfahren nennt man daher kontinente Harnableitungen.
In einigen Fällen wird allerdings eine sogenannte inkontinente Harnableitung mit Beutelversorgung erforderlich. Aber auch diese Art der Harnableitung bietet heute gute Ergebnisse bezüglich der Lebensqualität.
Organerhaltende Therapiemöglichkeiten wie eine Bestrahlung von außen oder eine Chemotherapie (allein oder in Kombination mit einer Strahlentherapie) können nach heutigem Wissen nicht grundsätzlich empfohlen werden.
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| Blasentumor am Blasenausgang |
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| Breitbasig aufsitzender Blasentumor |
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| Bäumchenartiger papillärer Blasentumor |
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| Verwildernder Blasentumor |
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| Blasentumor im Bereich einer Harnleitermündung |
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| Divertikeltumor |
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| Elektroresektion eines Blasentumors - Bild 1 |
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| Elektroresektion eines Blasentumors - Bild 2 |
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Freiresezierte Harnleitermündung nach Resektion eines |
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| Gegen Ende der Elektroresektion eines Blasentumors |
Mit ca. 70 bis 80 Prozent stellt das oberflächliche Blasenkarzinom die häufigste Tumorform dar. Dabei nimmt das Carcinoma in situ (Cis) eine Sonderstellung ein. Es handelt sich um ein nicht-invasives "high-grade" ( stark entdifferenziert ) Urothelkarzinom mit einer ausgesprochen starken Rezidivierungs- und Progressionstendenz. Ca. 10 bis 15 Prozent aller Blasentumorpatienten haben gleichzeitig ein Cis. Das Cis kann endoskopisch durch flache, rötliche, nicht papilläre Zellstrukturverbände in der Harnblase charakterisiert sein kann. Als Standarddiagnostik wird die Zystoskopie und Blasenzellzytologie durchgeführt.
Die Schwierigkeit der Diagnose dieses Tumors resultiert aus der unscheinbaren endoskopischen Erscheinung des Cis, obwohl in der Blasenspülung Tumorzellen oder Cis-Zellen nachweisbar sind. So kann das Cis lediglich als kleinstes rötliches Areal oder als samtartige Blasenschleimhautveränderung imponieren.
Nach Eingeben eines bestimmten Medikamentes in die Blase über einen Harnröhrenkatheter, erfolgt die Entfernung des Harnblasentumors durch die Harnröhre ca. 1 Stunde später. Unter UV-Licht kommt es dabei zu einer deutlich erkennbar rötlichen Erscheinung der Tumorzellen, inklusive des Cis, was eine sichere Diagnostik und Therapie meint. Gleichzeitig ist eine effiziente und aussagekräftige Diagnostik und Tumornachsorge möglich. Dieses äußerst sichere visuelle Diagnoseverfahren wurde an der Urologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt. An der Urologischen Klinik des Klinikum Delmenhorst wird dieses Verfahren seit 2006 angeboten. Das Klinikum hat gerade in eine PDD Anlage neuester Generation investiert.
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| Photodynamische Diagnostik (PDD) bei Verdacht auf Blasentumor - verdächtig sind die sich rötlich anfärbenden Areale |
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