Klinikum Delmenhorst gGmbH
Klinik für Thoraxchirurgie
Wildeshauser Straße 92
27753 Delmenhorst
Prof. Dr. Martin Teschner HUST
E-Mail an Prof. Dr. Martin Teschner
Iris Martens
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Die nachfolgenden Hinweise und Ratschläge entsprechen den persönlichen Erfahrungen des Autors. Sie sollen nur dazu dienen, in einer schwierigen - möglicherweise der schwierigsten - Lebenssituation ein bisschen zu helfen.
Nicht nur der medizinische Laie, sondern auch der zuweisende Arzt steht vor dem Problem, den richtigen Spezialisten in der richtigen Klinik zu finden. Als Laie erhält man Tipps von Freunden und Bekannten, Meinungen, und Hinweise, die wertvoll sein können, im Zweifelsfall aber immer nur Einzelerfahrungen bedeuten. Diese Erfahrungen können durchaus hilfreich, aber natürlich auch sehr unterschiedlich sein. Die Schwierigkeit, eine passende chirurgische Klinik zu finden, ist für den Einzelnen ein fast unlösbares Problem. Es muss nämlich Alles stimmen, zum Beispiel
Dies sind nur einzelne Faktoren, die zu einer positiven oder negativen Bewertung einer Klinik beitragen. Aufgrund der subjektiven und individuell sehr unterschiedlichen Bewertung ist es kein Wunder, dass ein Patient eher positive, der andere eher negative Erfahrungen gemacht hat.
Die entscheidende Frage ist u.E.: Was ist wirklich wichtig und was ist zwar auch wichtig, aber nicht so entscheidend?
Ohne Zweifel ist es entscheidend, dass die Operation das gewünschte Ergebnis bringt und sämtliche ärztliche Maßnahmen komplikationsfrei verlaufen. Alles Andere ist - um es noch einmal zu betonen - auch relevant, letztlich aber sekundär. Wir also soll beurteilt werden, ob eine Operation optimal durchgeführt wird?
Genau diese Frage kann (leider) von einem Laien - wenn überhaupt - nur indirekt beantwortet werden. Der Patient hat nämlich keine Chance zu erkennen, ob eine Operation meisterlich oder mangelhaft durchgeführt wird, er sieht letztlich lediglich nur die Hautnaht.
In jüngster Vergangenheit ist von den Medien versucht worden, das Problem der richtigen Arztwahl zu klären. Hierzu wurden an die Ärzte Fragebögen versandt und Listen mit Rangfolgen erstellt, welcher Arzt denn nun am besten zur Therapie geeignet ist, nachzulesen im Internet, in Boulevard- Blättern oder in Nachrichtenmagazinen. U.E. sind auch diese Listen nur wenig hilfreich, da sie auf Angaben der einzelnen Kliniken beruhen, die allenfalls teilweise nachgeprüft werden können..
Die Frage nach der Kompetenz der chirurgischen Behandlung lässt sich nur dann sicher beantworten, wenn von jeder Fachabteilung einer Klinik eine detaillierte Komplikations- und Todesstatistik in Zusammenhang mit einer Gesamtstatistik der Operationen erstellt und publiziert werden muss. Von einer entsprechenden gesetzlichen Verpflichtung sind wir in Deutschland aus uns völlig unverständlichen Gründen weit entfernt. Solange dies nicht gesetzlich geregelt ist, gibt es keine Sicherheit für die Auswahl der Klinik.
Nachfolgend dennoch einige Hinweise, die zu beachten es sich u.E. lohnt:
1. Der erste wichtige Punkt ist die Logistik der Klinik: Wie rasch kann ein Gesprächstermin vergeben werden? Es macht keinen Sinn, einen Patienten mit Bronchialkarzinom 2 Wochen warten zu lassen; er befindet sich in einer seelischen Ausnahmesituation, die Ungewissheit über das, was passieren wird, ist immens, gleichzeitig läuft ihm subjektiv die Zeit weg.
2. Entscheidend ist dann das erste Informationsgespräch: Nimmt sich der Arzt ausreichend Zeit? Sind die Erläuterungen verständlich? Werden Zweitmeinungen zugelassen? Wer operiert?
Fragen nach der Anzahl der Eingriffe, die der Chirurg in der speziellen Situation des Patienten durchgeführt hat, werden zwar immer wieder empfohlen, sind aber leider sinnlos. Nach 15 oder 20 Jahren Berufserfahrung kann man davon ausgehen, dass eine ausreichende Erfahrung beim Chefarzt vorliegt. Die entscheidende Frage ist vielmehr, welcher Arzt die Operation durchführt. Ist es ein Oberarzt, ein Assistenzarzt unter Aufsicht des Oberarztes oder der Chefarzt, der (nachvollziehbar) operiert? Die Komplikationsrate steigt auf Assistenzarztebene deutlich an.
Stutzig werden sollte man generell, wenn die Leistungen der Klinik überschwänglich gelobt werden. Instinktiv ist auch gut zwischen echter Anteilnahme, Routinegespräch oder Arroganz zu unterscheiden. Arroganz ist in aller Regel ein Zeichen der Unsicherheit; hier ist man falsch. Superlative herauszukehren bedeutet, dass man sie nötig hat.
3. Es lohnt sich zu fragen, wie viele Operationen jeweils bei dem betroffenen Patienten geplant sind. Hintergrund zu dieser Frage ist nachfolgende Praxis einiger Kliniken: In selbst- lobenden Rundschreiben sowie in den entsprechenden Internetpräsentationen wird stolz die Zahl der Operationen pro Jahr verkündet mit dem Hinweis, z.B. zweitgrößte oder drittgrößte Klinik in Deutschland zu sein. Die Zahl der Patienten wird hingegen nicht erwähnt. Tatsächlich ist diese Zahl in der Regel deutlich geringer als die Zahl der Operationen. Aus eigener Erfahrung anhand von Datenmaterialien aus Norddeutschland wissen wir, dass sie beträchtlich unter der Zahl der Eingriffe liegen kann. Die Zahl der Patienten wird absichtlich nicht genannt: Es würde nämlich sonst deutlich werden, dass jeder Patient durchschnittlich 3-5mal operiert wurde. Dies ist nicht nur ein möglicher Hinweis auf die Rate an Komplikationen; da die Operationen vergütet werden, steigert dies den Erlös. Dem Patienten - und übrigens auch den zuweisenden Ärzten - wird das Vorgehen als "akzelerierte Therapie" verkauft. Hierunter wird ein stufenweises chirurgisches Vorgehen verstanden, das sich am Prinzip der geringsten erforderlichen Belastung orientieren soll. Tatsächlich handelt es sich aber unserer Erfahrung zufolge nicht selten um absehbar überflüssige Operationen.
Unabhängig davon sind gelegentlich diagnostische Eingriffe erforderlich, um den Sinn einer größeren Lungenoperation nachzuweisen. Dies muss aber von dem behandelnden Chirurgen so plausibel gemacht werden, dass es auch der Laie versteht.
Besondere Vorsicht bei der Auswahl der Spezialklinik ist geboten, wenn
Thoraxchirurgie innerhalb einer Klinik für Allgemeinchirurgie anzubieten, bedeutet ausnahmslos im Vergleich zu einer spezialisierten Klinik eine deutlich geringere Erfahrung auf diesem Gebiet. Bereits die Operationszahlen weichen beträchtlich voneinander ab: Während eine Fachklinik mindestens 500 Patienten pro Jahr betreut, werden in einer gemeinsamen chirurgischen Abteilung in der Regel nur ca. 50 bis maximal 100 Patienten pro Jahr operiert. Die Fachbereiche der Allgemein- und Thoraxchirurgie unterliegen derart raschen Entwicklungen und sind jeder für sich genommen so groß, dass aktuelle Entwicklungen niemals adäquat umgesetzt werden können; dies betrifft nicht nur die operativen Techniken, sondern auch die Auswahl (Indikationsstellung) zur Operation, die intensivmedizinische und krankenphysikalische Betreuung, die Vor- und Nachbehandlung und die Therapie von Komplikationen. Eine "halbe" Thoraxchirurgie, in der lediglich Grundzüge der operativen Techniken bekannt sind, nützt gar nichts, sondern ist im Zweifelsfall fatal. Komplikationen während der Operation werden dann entweder nicht beherrscht oder es wird Lungengewebe entfernt, das mit der entsprechenden Erfahrung hätte geschont werden können. Lebensentscheidend ist auch ein technisches und onkologisches Halbwissen, das wir leider regelmäßig beobachten: Es werden mit moderner Schlüssellochtechnik Tumoren zu diagnostischen Zwecken inkomplett entfernt, erforderliche radikale Operationen werden - wenn überhaupt - nur zeitverzögert durchgeführt. Bereits die inkomplette Tumorentfernung ist fatal, denn das Tumorgewebe wird durchtrennt und eröffnet, so dass es zu einer Tumorzellaussaat kommen kann und sich die Prognose entscheidend verschlechtert.
Eine "Massenabfertigung" kann niemals eine gute Versorgung bedeuten; Seele und Körper sind untrennbar verbunden und bilden eine Einheit, so dass es kein Wunder ist, dass es leichter zu Komplikationen kommt, wenn die seelische Situation nicht ausreichend berücksichtigt wird. Dies kann auch nicht durch eine psychoonkologische Mitbetreuung - die ohne Zweifel von großer Bedeutung ist - kompensiert werden, zumal diese Gespräche nicht jedermanns Sache sind.
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