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Klinikum Delmenhorst
 

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Klinikum Delmenhorst gGmbH
Klinik für Thoraxchirurgie
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27753 Delmenhorst

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Die 10 häufigsten Fragen zum Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)

1. Ich habe doch gar nichts gemerkt. Wieso kann denn dann in der Lunge ein Tumor sein?

Es ist gerade beim Lungenkrebs das Tückische, dass Beschwerden und Symptome erst spät auftreten oder erst zu einem späten Zeitpunkt bemerkt werden. Dies hat verschiedene Gründe:

Im Lungengewebe selbst gibt es keine Schmerznerven, das bedeutet, es kann ein Tumor wachsen, ohne dass es weh tut. Schmerzen treten erst dann auf, wenn der Krebs auch in das Rippenfell einwächst. Dann ist in der Regel aber schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Dies gilt auch für den Fall, wenn der Tumor zu Beklemmungsgefühl oder uncharakteristischen Schmerzen führt, weil er auf die Organe (z.B. das Herz, große herznahe Gefäße) des Mittelfellraumes drückt.

Husten kennt jeder Raucher, besonders am Morgen. Das ist also kein ungewöhnliches Phänomen. Häufig besteht auch seit Jahren Auswurf, so dass die Betroffenen keinen Anlass zur Besorgnis sehen.

Gewicht abzunehmen wird heute von vielen Menschen angestrebt und ist daher willkommen, umso eher, wenn es fast von selbst geht. Auch der Appetit lässt nach, für viele Betroffene eine gute Erklärung für die Gewichtsabnahme. Häufig wird auch erst ein Gewichtsverlust bemerkt, der mehrere Kilogramm beträgt. Da er sich im Rahmen einer Krebserkrankung schleichend über Monate entwickelt, liegt nicht selten ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor.

Atemnot und verminderte körperliche Belastbarkeit sowie zunehmende Müdigkeit entwickeln sich häufig schleichend und können daher sowohl von den Betroffenen als auch von deren Angehörigen nicht oder nur schwer bemerkt werden.

Ebenso wird eine fahle, blasse Haut in der Regel erst von Bekannten erkannt, die den Betroffenen längere Zeit nicht gesehen haben und die daher eine Vergleichsmöglichkeit haben.

2. Gibt es Warnhinweise für Lungenkrebs?

Warnsymptome sind

Zusammenfassend gibt es keine spezifischen, das heißt keine beweisenden klinischen Symptome für Lungenkrebs. Stattdessen werden lediglich Hinweise beobachtet, die uncharakteristisch sind und sich meistens schleichend entwickeln. Ein absolutes Warnsymptom stellt das Abhusten von Schleim und Sekret mit Blutbeimischungen dar, selbst dann, wenn es nur winzige Blutspuren sind, die einmalig auftreten. Es muss sich dabei aber nicht zwingend um Lungenkrebs handeln; auch z.B. entzündliche Veränderungen wie die blutige (hämorrhagische) Bronchitis, Tuberkulose oder Pilzinfektionen können zu blutigem Auswurf führen. Blut im Auswurf muss jedoch immer ernst genommen werden; es sollte dann eine weiterführende Diagnostik veranlasst werden, die die Ursache für die Blutung klärt (Arzt aufsuchen!).

Alle anderen Symptome wie Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, Schmerzen, zunehmende Antriebsarmut und selbst Schmerzen im Brustkorb und Atemnot sind erst recht uncharakteristische Zeichen, die auch bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen beobachtet werden können. Entscheidend ist, auf Veränderungen des körperlichen Befindens zu achten und sich seinem eigenen Risikoprofil bewusst zu sein. Das bedeutet, sich darüber im Klaren zu sein, dass das Risiko für Lungenkrebs mit zunehmender Dauer und Intensität des Aktiv- und Passivrauchens drastisch ansteigt. Frauen sind dabei besonders gefährdet. Je früher mit dem Rauchen begonnen wird, umso höher ist dabei auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Lungenkrebs bildet.

Ein erhöhtes Risiko besteht auch im Falle des (beruflichen) Kontaktes mit Substanzen wie Asbest, Radon, Arsen, Chrom, Nickel, Cadmium, Berillium, aromatischen Kohlenwasserstoffen und wahrscheinlich Dieselabgasen.

3. Ich habe in den letzten Jahren kaum geraucht. Also kann der Krebs doch gar nichts mit dem Rauchen zu tun haben?

Zigaretten sind nicht die Ursache für Lungenkrebs. Die Ursache ist nicht bekannt. Zigaretten enthalten aber über 4000 chemische Substanzen, wovon mindestens 8 nachweislich krebserregend sind. Hierzu gehören z.B. Cyanwasserstoff, Formaldehyd, Benzol, Cadmium und auch das radioaktive N-Polonium- 210, ein sog. alpha- Strahler, der die Schleimhaut der Atemwege radioaktiv bestrahlt.

In eine ähnliche Richtung geht die Feststellung, dass ein Verwandter der Familie sein ganzes Leben lang geraucht habe und über 90 Jahre alt wurde, ohne Lungenkrebs zu bekommen. Umgekehrt habe die Nachbarin nie geraucht, und gerade sie sei an Lungenkrebs gestorben.

Diese Hinweise verdeutlichen zum Einen, dass Rauchen nicht die Ursache für Lungenkrebs ist, die Entstehung aber maßgeblich fördern kann; welcher Mensch dafür anfällig ist und welcher nicht, lässt sich im Vorfeld nicht bestimmen. Das, was sich (statistisch) bestimmen lässt, ist das Risiko: Rauchende Männer haben ein ca. 30fach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, Frauen ein ca. 86fach erhöhtes Risiko. Je früher im Leben mit dem Rauchen begonnen wird, desto höher ist das Risiko, das sich ein Bronchialkarzinom bildet. Mit größter Wahrscheinlichkeit bekommen alle Menschen, die Zigaretten konsumieren, zu irgendeinem Zeitpunkt Lungenkrebs, die einen früher, die anderen später; es gibt aber auch einige Menschen, die diesen Zeitpunkt nicht erleben, da sie zuvor an anderen Krankheiten verstorben sind. Wie lange ein Mensch rauchen kann, ohne dass sich Lungenkrebs entwickelt, ist nicht bestimmbar; das ist individuell sehr unterschiedlich.

Zum Anderen gibt es sehr viele unterschiedliche Krebsarten der Lunge und der Atemwege, wie in allen anderen Organen auch. Nicht bei allen besteht offensichtlich ein direkter Zusammenhang mit dem Rauchen. Krebsarten, die von den Oberflächendeckzellen der Atemwege (sog. Plattenepithel-karzinome) ausgehen, sind die 99% mit dem Zigarettenrauchen assoziiert, andere (wie z.B. Alveolarzellkarzinome) hängen nicht oder deutlich weniger mit dem Nikotinkonsum zusammen.

4. Wenn ich aufhöre zu rauchen, erholt sich die Lunge dann wieder?

Ja, die Lunge kann sich wieder erholen, sofern keine dauerhaften Schäden des Lungengewebes entstanden sind. Das bedeutet, generell besitzt die Lunge eine hohe Potenz zur Regeneration. Sie nimmt allerdings lange Zeit in Anspruch; man geht von einer Erholungsphase aus, die mindestens 20 Jahren dauert. Dann entspricht das Lungenkrebsrisiko wieder dem Ausgangsrisiko der nicht- rauchenden Bevölkerung entsprechend des Alters und Geschlechts.

Die krebsfördernden Faktoren des Tabaks verlieren also nur allmählich ihre Wirkung. Auch nach 9, 10 oder 15 Jahren rauchfreien Lebens kann ein Bronchialkarzinom auftreten, das maßgeblich auf den Zigarettenkonsum zurückzuführen ist; das Risiko sinkt aber mit zunehmender Dauer des Verzichtes auf Zigaretten. Die Ausgangsbedingungen für eine dann ggf. erforderliche Operation verbessern sich in der Zwischenzeit stetig, da sich die Lungenfunktion verbessert und die allgemeine körperliche Belastbarkeit zunimmt.

Dauerhafte (irreversible) Schäden der Lunge bleiben allerdings. Hierzu gehören insbesondere Blasenbildungen (Bullae), bei denen die Architektur des Lungengewebes komplett zerstört ist, und Vernarbungen, weiterhin auch Veränderungen der Atemwege (Bronchiektasen) und ein fixierter Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Diese Schäden dehnen sich mit fortgesetztem Zigarettenkonsum immer weiter aus. Das bedeutet umgekehrt, dass sich die Entwicklung dieser Gewebezerstörungen in der Regel durch den Verzicht auf Zigaretten zumindest verzögern, wenn nicht gar vollständig verhindern lässt.

4. Welche Untersuchungen sind notwendig, wenn der Verdacht auf Lungenkrebs besteht?

Die Diagnostik beginnt mit der Erhebung der Anamnese; in diesem Gespräch zwischen Arzt und Patient werden Fragen wie Atemnot bei körperlicher Belastung, Husten und Auswurf, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und zunehmende Abgeschlagenheit sowie weitere körperliche Beschwerden geklärt. Dann ist eine ausführliche körperliche Untersuchung erforderlich.

Grundlegend ist dann eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes, die nicht selten der Anamnese und der klinischen Untersuchung vorausgeht, da - zum Beispiel vom Arbeitgeber - eine Routineaufnahme angefordert worden ist, in der sich dann eine Veränderung der Lunge darstellte. Röntgenkontrollen der Lunge sollen übrigens immer in 2 Ebenen - von vorne und seitlich - erfolgen, da mit der alleinigen Übersichtsaufnahme von vorne bis zu 30% der Rundherde in der Lunge nicht erkannt werden und nur seitlich zu sehen sind.

Stellt sich ein "Schatten" (ein sogenannter Rundherd) in der Lunge dar, der möglicherweise auf das Wachstum eines bösartigen Lungentumors hindeutet, empfiehlt sich eine Computertomographie des Brustkorbes (Thorax). Anhand der Aufnahmen lassen sich die Größe, die Ausdehnung, die Lage, die Dichte, die Begrenzung und weitere Lungen- und Lymphknotenveränderungen im Brustkorb beurteilen.

Generell ist mit einem Rundherd eine Veränderung zu erkennen, die sich als schwarz/ weiß darstellt. Diese Feststellung erscheint banal, bedeutet aber, dass keine feingewebliche Diagnose aus diesen Veränderungen zu stellen ist. Es gibt Hinweise, die den Verdacht auf ein Bronchialkarzinom wecken. Hierzu gehören z.B. unscharfe Begrenzung ("Tumorfüßchen"), Abbruch von Bronchien und Gefäßen in dem Rundherd und im Vergleich zu den Voraufnahmen neu aufgetretene oder sich vergrößernde Veränderungen.

Dies sind wichtige Indizien, die eine sorgfältige unverzügliche weitere Diagnostik erfordern. Keinesfalls kann aber alleine aus den Röntgenaufnahmen - sei es aus konventionellen (Übersichts-) oder Computertomographieaufnahmen - gesagt werden, dass es sich um Lungenkrebs handelt. Hierzu ist die Entnahme von Gewebeproben notwendig.

Liegen die Veränderungen zentral, das heißt im Bereich der Lungenwurzel nahe der Aufzweigungen der großen Atemwege, können sie in der Regel durch eine Atemwegsspiegelung (Bronchoskopie) erreicht werden. Hierzu erhält der Patient ein Medikament zum Schlafen, das kurzzeitig wirkt. Die Belastung ist sehr gering. Die Untersuchungsdauer liegt zwischen 5 und 20 Minuten. Dabei wird das gesamte Atemwegssystem beurteilt. Es handelt sich um ein Röhrensystem, in das man nicht beliebig weit sehen kann, da sich die Atemwege immer weiter aufzweigen und in ihrem Durchmesser ständig kleiner werden. Das Lungengewebe selbst lässt sich mit dieser Untersuchungsmethode nicht ansehen.

Liegt der Rundherd in den Randbereichen der Lunge (peripher), lässt er sich im Rahmen der Atemwegsspiegelung nicht erreichen. Gelegentlich wird eine Punktion des Herdes durch die Brustwand empfohlen. Wir lehnen diese Methode ab, da die Aussagekraft relativ gering ist, besonders aber, weil dann der Tumor eröffnet ist und Zellen als Absiedlungen (Metastasen) verschleppt werden können. Sie finden sich dann als Metastasen in der Brustwand im Stichkanal oder als Fernmetastasen in anderen Organen. Diese Metastasen treten selten auf, unseres Ermessens ist aber jedes Risiko einer Metastasenbildung durch medizinische Maßnahmen zwingend zu vermeiden. Daher empfehlen wir in dieser Situation, den Rundherd minimal- invasiv (mittels "Schlüssellochtechnik") zu entfernen, während der Operation eine feingewebliche Untersuchung zu veranlassen (die sogenannte Schnellschnittdiagnostik) und die weiteren Maßnahmen von deren Ergebnis abhängig zu machen.

Vor jeder Operation und im Rahmen jeder Diagnostik von Lungenherden unklarer Herkunft ist aber noch eine Untersuchung der Herz- und Lungenfunktion erforderlich. Hierzu gibt es ausgereifte Techniken, die ohne große Belastung durchzuführen sind.

Wurde ein Bronchialkarzinom nachgewiesen, sind weitere Untersuchungen erforderlich um auszuschließen, dass sich bereits Fernmetastasen gebildet haben. Da die bösartigen Tumoren der Lunge besonders in das Gehirn, die Leber, die Nebennieren und in das Skelettsystem streuen, müssen diese Bereiche gezielt untersucht werden. Im Einzelnen sind das für das Gehirn die Computer- oder alternativ die Kernspintomographie, für die Leber und die Nebennieren die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und für das Skelettsystem die sogenannte Skelett- Szintigraphie, ein nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren.

Wird neben dem Rundherd ein Rippenfellerguss nachgewiesen, muss die Ergussflüssigkeit untersucht werden. Sie kann in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) punktiert werden, oder es kann eine Spiegelung des Brustkorbes in Narkose (Thorakoskopie) durchgeführt werden. Die Punktion hat den Vorteil der geringeren Belastung, den Nachteil der im Vergleich zur Spiegelung unsicheren Aussagekraft. Generell geht es im Falle eines Ergusses mit Nachweis bösartiger Zellen darum, Absiedlungen (Metastasen) auf dem Rippenfell auszuschließen. Wenn nämlich Metastasen nachweisbar sind, liegt ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor, in der eine Lungenoperation zur Entfernung des Tumors in der Regel keinen Sinn macht, da die Prognose nicht verbessert wird. In der Situation verbietet sich daher ein chirurgischer Eingriff.

5. Kann bei mir eine Operation durchgeführt werden? Macht sie überhaupt Sinn?

Die Frage nach dem Sinn einer Operation im Falle von bösartigen Tumoren der Lunge - die sogenannte Operabilität - ist eine der zentralen Fragen in der Lungenheilkunde (Pneumologie), Onkologie und Thoraxchirurgie. Diese Frage sollten die Spezialisten dieser Fachdisziplinen in einer gemeinsamen Konferenz für jeden Patienten klären.

Prinzipiell gründet sich die Operabilität und damit der Sinn einer Lungenoperation auf mehrere Faktoren:

1. Technische Operabilität

Die technische Operabilität beschreibt die Möglichkeit, den Tumor sicher im gesunden Gewebe radikal zu entfernen. Es macht zum Beispiel überhaupt keinen Sinn, einen Teil des Tumorgewebes zu belassen; dann ist die Operation von vornherein zwecklos (mit extrem wenigen Ausnahmen).

Technisch besteht zum Beispiel dann keine Möglichkeit der Entfernung des Tumors, wenn der Krebs weit in den Herzvorhof oder in eine Herzkammer eingebrochen ist. Gleiches gilt, wenn der Tumor die gegenseitige Lungenarterie erreicht hat. Da es für jeden Lungenflügel nur 1 Hauptarterie gibt und die Lungenflügel nicht mehr durchblutet werden, wenn diese Arterien entfernt werden, wäre dies eine Situation, die nicht mit dem Leben vereinbar ist.

2. Funktionelle Operabilität

Die funktionelle Operabilität beschreibt die Möglichkeit, wie viel Lungengewebe entfernt werden kann, ohne dass der Patient nach der Operation zu wenig Sauerstoff bekommt. Es macht natürlich gar keinen Sinn, wenn ein Teil der Lunge entfernt wird und der Patient nach der Operation unter schwerster Atemnot leidet.

3. Allgemeine Operabilität

Die allgemeine Operabilität beschreibt, in wie weit der seelische und körperliche Zustand des Patienten eine Operation erlauben. Die seelische Verfassung muss dem Patienten eine Mitarbeit nach der Operation ermöglichen; ca. 90% des Verlaufs nach einer Lungenoperation wird dabei durch die Mitarbeit (Compliance) des Patienten bestimmt, da Atemübungen, Abhusten, Krankengymnastik, also aktive Übungen des Patienten zwingend erforderlich sind.

Die allgemeine körperliche Operabilität wird von zahlreichen Faktoren bestimmt; hierzu gehören zum Beispiel die Funktion der inneren Organe, insbesondere der Herzfunktion, das Gewicht (BMI), die Mobilität und der Status der Muskulatur.

4. Onkologische Operabilität

Die onkologische Operabilität beschreibt den Sinn, den eine Operation im Hinblick auf das Stadium der Tumorerkrankung macht. Hierzu gibt es genaue Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie sowie der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Man weiß, dass die Operation im fortgeschrittenen Stadium in der Regel keine Verbesserung der Prognose bzw. der Überlebenszeit bewirken kann, insbesondere dann nicht, wenn bereits Metastasen (Absiedlungen) nachgewiesen wurden. Wenn aber die Überlebenszeit nicht deutlich verlängert werden kann, darf man den Patienten nicht mit einer schweren und auch komplikationsträchtigen Operation belasten. Dann bestünde nämlich nicht nur kein Vorteil der Operation, sondern im Gegenteil das Risiko, an den Folgen der Operation früher zu versterben als ohne den Eingriff.

Ausnahmen bestehen nur dann, wenn zum Beispiel durch den Tumor eine akute Lebensgefahr ausgeht. Dies ist beispielsweise bei einer lebensgefährlichen Blutung der Fall. Eine Operation kann auch überlegt werden, wenn die Lebensqualität durch nicht behandelbare Schmerzen oder durch entzündliche Komplikationen mit Verjauchung des Tumors maßgeblich negativ beeinflusst wird.

6. Wie sind meine Chancen, wenn ich operiert wurde?

Hinter dieser Frage verbergen sich zwei Unsicherheiten und Ängste, die die Patientinnen und Patienten mit am meisten belasten:

Zum Einen wird hier nach dem Risiko der Operation gefragt, besonders auch nach dem Risiko, während der Operation oder an den Operationsfolgen zu versterben. Gelegentlich ist auch die Angst am größten, aus der Narkose nicht mehr aufzuwachen.

Das Risiko, während der Operation zu versterben ist individuell sehr unterschiedlich. Generell ist es sehr gering, aber nicht 0%. Die Klinik, die behauptet, kein Mensch würde während der Operation in ihrem Haus versterben, ist u.E. nicht vertrauenswürdig oder führt nur kleinere Lungenoperationen durch; damit wäre das chirurgische Erfahrungspotential aber gering. In unserer eigenen Klinik beträgt die Häufigkeit der Todesfälle während der Operation bei 1: 2700. Sie kommen ausschließlich bei den ausgedehntesten Operationen vor, bei denen nicht nur ein kompletter Lungenflügel, sondern auch zum Beispiel Anteile des Herzvorhofes entfernt werden müssen, oder bei Unfallpatienten mit schwersten kombinierten inneren Verletzungen. Dennoch ist das Risiko auch für größte Lungenoperationen sehr gering; es liegt hier etwa bei 1: 500. Hauptursache sind Herzkomplikationen; daher ist bei der Vorbereitung zur Operation auch die Untersuchung des Herzens von zentraler Bedeutung.

Wenn ein oder zwei Lungenlappen entfernt werden müssen, braucht man keine Angst zu haben: Das Risiko, hierbei zu versterben, liegt bei 0%.

Todesfälle, bedingt durch die Narkose, gibt es; wir selbst haben nach operativer Versorgung mehrerer zehntausend Patienten aber keine einzige dieser Situationen erlebt.

Höher ist das Risiko, im Rahmen von Komplikationen nach der Operation zu versterben. Auch dieses Risiko ist individuell sehr unterschiedlich und wird besonders bestimmt durch einen langjährigen Zigarettenkonsum, besonders, wenn bis unmittelbar vor der Operation geraucht wird, und durch Folgeerkrankungen besonders des Herzens. Hierzu zählt zum Beispiel die koronare Herzerkrankung (KHK, Durchblutungsstörung der Herzkranzarterien) und bestimmte Herzrhythmusstörungen.

Generell die häufigste Komplikation ist die Lungenentzündung. Die Sekret- und Schleimproduktion im Atemwegssystem ist nach einer Lungenoperation enorm, aber extrem nach einem langjährigen Zigarettenkonsum. Wenn das bakterien- beladene Sekret nicht ausreichend abgehustet wird, verlegt es die Atemwege, die dahinter liegenden Lungenabschnitte werden nicht mehr richtig belüftet und entzünden sich innerhalb relativ kurzer Zeit. Daher ist die Mitarbeit der Patientin oder des Patienten nach der Operation so entscheidend: Niemand kann für sie husten oder richtig durchatmen. Die Behandlung nach der Operation richtet sich in der Hauptsache darauf aus, diese entzündlichen Komplikationen zu vermeiden. Die Chancen bei guter Mitarbeit sind ausgezeichnet, die Operationsfolgen unbeschadet in kurzer Zeit zu überstehen.

Die Frage nach den Chancen bezieht sich auch auf die Prognose der Erkrankung nach der Operation, das heißt, wie lange ist das Leben nach der Operation, wenn der Tumor entfernt wurde.

Diese Frage kann nach derzeitigem Wissen kein Mensch beantworten. Es ist eindeutig und unbestritten, dass durch die radikale chirurgische Entfernung des Tumors die best- möglichste Prognose erreicht wird. Es wurden in den letzten Jahren hunderte von sogenannten Prognosefaktoren untersucht, das heißt es wurde nach Hinweisen - zum Beispiel Tumormarker, Lymphknotenbefall, Tumorausdehnung etc.) - gesucht, die genauer sagen lassen, wie sich die Tumorerkrankung entwickelt. Statistisch gesehen bieten mehrere Faktoren zusammen prognostische Anhaltspunkte, mehr aber auch nicht. Der Krankheitsverlauf ist individuell so unterschiedlich, dass sich u.E. zufolge derzeitig die Frage nach der Überlebenszeit überhaupt nicht beantworten lässt. Unsere klinikinterne Statistik umfasst einen Zeitraum von 18 Jahren. Es gibt einige Patienten, die vor 17 oder 18 Jahren mit einem hohen Tumorstadium operiert wurden und statistisch eine Überlebenszeit von 10% für 2 Jahre besaßen.

Aus der Statistik wird aber auch ersichtlich, dass es sich im Falle eines bösartigen Tumors um eine chronische Erkrankung handelt. Von einer echten Heilung kann daher u.E. zufolge nicht gesprochen werden; geheilt zu werden würde in unseren Augen ein zu großes Versprechen bedeuten. Das heißt aber nicht, dass die Erkrankung absehbar zwingend voranschreitet; sie kann sich Jahre oder auch Jahrzehnte nicht mehr bemerkbar machen.

7. Wie lange dauert die Operation und wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben?

Die Operationsdauer hängt von der Ausdehnung des Tumors und seiner Lokalisation ab. Prinzipiell ist nicht die schnellste Operation die beste; stattdessen geht es darum, sehr sorgfältig und mit viel Ruhe zu operieren und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um gesundes Lungengewebe zu erhalten, denn hiervon hängt die Lebensqualität nach der Operation ab. Zum Teil sind präparatorisch aufwendige Verfahren erforderlich, die Zeit kosten.

Die Dauer des Aufenthaltes in der Klinik wird durch den Verlauf nach der Operation bestimmt. In den letzten Jahren hat sich für viele Bereiche die sogenannte "Fast track- Chirurgie" etabliert. Hierunter wird ein extrem kurzer Aufenthalt nach der Operation verstanden; der Patient wird nach wenigen Tagen entlassen.

Wir lehnen die Fast- track- Chirurgie aus mehreren Gründen ab. Sie dient unserer Meinung nach lediglich den Kliniken, die Kosten sparen. Nach Einführung des neuen Abrechnungssystems (DRG) bekommen die Kliniken nämlich pro Patient eine Summe, unabhängig davon, wie lange sie in der stationären Behandlung verbleiben. Je kürzer der Aufenthalt, desto geringer sind die Kosten, die ein Patient verursacht, so dass die Klinik umso mehr Einnahmen aufweist, je kürzer die Verweildauer ist.

In unseren Augen kann und darf es aber nicht sein, dass das Einsparpotential die oberste Maxime der Behandlung ist. Unserer Erfahrung zufolge fühlen sich die meisten Patienten eher herausgeschmissen als gut betreut, sie sind einfach noch nicht fit genug, um nach wenigen Tagen nach einer größeren Operation zu Hause wieder zurecht kommen zu können. Diese Einschätzung wird jetzt auch von zahlreichen Rehabilitationskliniken geteilt; die Anschlussheilbehandlung kann nach vorzeitiger Verlegung häufig noch nicht stattfinden, da die Erholungsphase nach der Operation in der Klinik zu kurz war. Komplikationen wie Lungenentzündungen und Wundheilungsstörungen häufen sich.

Umgekehrt halten wir die Dauer des stationären Aufenthaltes nicht künstlich lang, wobei auch die häusliche Versorgung gewährleistet sein muss. Die durchschnittliche Verweildauer liegt in unserer Klinik für kleinere Lungeneingriffe bei ca. 4-6 Tagen (2008 im Mittel: 5,2 Tage ), für größere Operationen zwischen 8-10 Tagen (2008 im Mittel: 8,2 Tage) und für die ausgedehntesten Eingriffe bei 12-14 Tagen.

8. Was habe ich für Einschränkungen durch die Operation? Wie wird meine Lebensqualität sein?

Die Erholungsphase nach einer größeren Lungenoperation zur Entfernung eines Bronchialkarzinoms schwankt individuell stark, beträgt aber im Durchschnitt etwa 6-8 Wochen. Ob danach Arbeitsfähigkeit besteht, hängt von dem Ausmaß der körperlichen Belastung am Arbeitsplatz ab. Dies muss im Einzelfall - am besten in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt - entschieden werden.

Ausschlaggebend für die Lebensqualität auf lange Sicht nach der Operation ist die körperliche Belastbarkeit, die nach einer Lungenoperation im Wesentlichen von der Lungenfunktion abhängt. Das bedeutet, je mehr Lungengewebe entfernt werden muss, desto eingeschränkter ist die körperliche Belastbarkeit. Muss zum Beispiel eine Lungenhälfte komplett entfernt werden, können schwere körperliche Arbeiten oder Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden. Da die gesunde Lungenhälfte einen Teil der fehlenden Lungenfunktion kompensieren kann, kann sich die Lungenfunktion in einem Zeitraum von bis zu 8 Monaten nach dem Eingriff verbessern. Danach ist der Zustand in aller Regel fixiert; auch intensives Atemtraining hilft dann nur noch wenig, die Funktion zu verbessern. Insofern ist es so wichtig, die Lungenfunktion von Anfang an zu trainieren, schädliche Faktoren strikt zu vermeiden (besonders aktives und passives Rauchen, inhalative Schadstoffe am Arbeitsplatz) und operations- technisch so viel gesundes Lungengewebe wie möglich zu erhalten. Dies ist nur durch spezielle thorax- und gefäßchirurgische Techniken möglich, die wiederum nur mit der erforderlichen Erfahrung gefahr- und komplikationslos durchgeführt werden können.

9. Steht mir eine Reha zu?

Die Krankenversicherungsträger stehen prinzipiell derzeitig jedem Patienten, der an der Lunge operiert wurde, eine Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation) zu. Sie dauert in der Regel 3 Wochen und kann ggf. auf 4 Wochen verlängert werden.

Die Anschlussheilbehandlung bedeutet ein Angebot, das nicht zwingend angenommen werden muss.

10. Wie geht es nach der Operation weiter?

Ob eine zusätzliche (adjuvante) Behandlung nach Entfernung eines Bronchialkarzinoms erforderlich ist oder nicht, hängt einerseits vom Stadium der Erkrankung ab, andererseits auch vom Tumorwachstum innerhalb des Brustkorbes. Eine zusätzliche Behandlung bedeutet, dass entweder eine Chemo- oder Strahlentherapie oder eine Kombination aus beiden Verfahren durchgeführt wird.

Natürlich ist auch diese Behandlung keine Pflicht; sie wird empfohlen, und die betroffenen Patientinnen und Patienten sind gut beraten, wenn sie sich zunächst von einem entsprechenden Spezialisten (einem Onkologen oder Strahlentherapeuten) gut informieren lassen.

Diese Spezialisten müssen nicht selbst gesucht werden; es gehört u.E. zu den Aufgaben der Thoraxchirurgie dazu, alle notwendigen Kontakte herzustellen und entsprechende Vorstellungstermine zu vereinbaren.

Ist keine zusätzliche Behandlung erforderlich, empfiehlt sich eine regelmäßige und u.E. lebenslange Tumornachsorge. In diesem Rahmen werden regelmäßige Kontrollen mit klinischen Untersuchungen, Blutuntersuchungen, Röntgen- Aufnahmen und Atemwegsspiegelungen durchgeführt. In letzter Zeit wurde der Wert der Atemwegsspiegelungen infrage gestellt; aufgrund eigener guter Erfahrungen bieten wir sie aber auch in Zukunft weiter an.

 

Letzte Aktualisierung 27.07.2010nach oben

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