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Urogynäkologie

Die Urogynäkologie ist ein relativ neues Teilgebiet der Frauenheilkunde und beschäftigt sich mit Diagnostik und Behandlung von Senkungsbeschwerden sowie Harn- und Stuhlinkontinenz. Im Rahmen des interdisziplinär arbeitenden Urologisch-Gynäkologischen Beckenbodenzentrums arbeiten wir eng mit Urologen, Proktologen und spezialisierten Physiotherapeuten zusammen.

Frauen sind häufig von Störungen im Uro-Genitaltrakt betroffen. Aufgrund der engen Nachbarschaft der Organe des Beckens, deren unterschiedlicher Funktion als Speicher-, Ausscheidungs-, Sexual- oder Reproduktionsorgane, der wechselnden hormonellen Beeinflussung des Uro-Genitaltraktes im Lauf des Lebens sowie der Auswirkungen von Schwangerschaften und Geburten können vielfältige Beeinträchtigungen auftreten. 20 bis 50 % aller Frauen leiden an Harninkontinenz, also an der Unfähigkeit den Harn kontrolliert zu halten oder zu lassen. Etwa die gleiche Anzahl hat das Risiko im Laufe ihres Lebens eine Senkung der inneren Geschlechtsorgane zu entwickeln, was nicht nur zu Harninkontinenz oder Blasenentleerungsstörungen sondern auch zu Senkungsbeschwerden mit Druckgefühl im Bereich der Scheide oder Unterbauchschmerzen oder auch zu Beeinträchtigung des Stuhlgangs führen kann. Die Beschwerden sind nicht lebensbedrohlich, bedeuten aber für die Betroffenen oft eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität und werden leider nach wie vor allzu oft tabuisiert.

An unwillkürlichem Harnverlust / Harninkontinenz leiden in Deutschland etwa 6 Mio. Menschen bzw. jede 3. Frau. Viele Betroffene geraten infolge der mit einer Inkontinenz verbundenen Beeinträchtigungen in eine soziale Isolation, dabei gibt es hervorragende Behandlungsmöglichkeiten. Sprechen Sie bei entsprechenden Beschwerden das Thema gegenüber Ihrem Frauenarzt oder Hausarzt an, damit Ihnen geholfen werden kann.

Wie ist der Zusammenhang zwischen Beckenboden und Harninkontinenz?

Der Beckenboden besteht aus mehreren übereinander liegenden Muskel- und Bindegewebsplatten, die den elastischen Abschluß des Beckens nach unten bilden und die Last der Eingeweide, Darm, Gebärmutter, Harnblase und Harnröhre tragen. Der Beckenboden der Frau hat drei Öffnungen bzw. Lücken für Harnröhre, Scheide und Enddarm, die bei intakter Funktion die regelrechte Kontrolle der Darm- und Blasenentleerung ermöglichen.

Für die ungestörte Funktionalität sind verschiedene Faktoren wichtig: intakter Bandapparat und intakte Muskulatur des Beckenbodens, elastische Vaginalwand und regelrechter Tonus der Harnröhre. Ein Defekt in diesen Strukturen bedeutet hingegen Funktionsstörungen und die Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion ist nicht möglich.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Inkontinenz:

Wie sieht eine mögliche Behandlung aus?

Die verschiedenen Ursachen der Harninkontinenz und eventuell zusätzlich bestehende Begleiterkrankungen erfordern stets eine individuelle Therapieentscheidung.

Am Beginn der Behandlung der verschiedenen Inkontinenzformen steht eine differenzierte Diagnostik - neben der Befragung zu Vorerkrankungen und vorausgegangen Operationen dienen spezielle Fragebögen, die Infektionsdiagnostik der Harnwege, die gynäkologische Untersuchung mit Ultraschall und ggf. zusätzlicher radiologischer Untersuchung von Blase, Gebärmutter und Beckenboden sowie die urodynamische Untersuchung mit Druck- und Volumenmessungen in Blase und Harnröhre und Aktivitätsmessung der Beckenboden-Muskulatur der individuellen Befunderhebung.

Häufig sind zunächst nicht-operative Verfahren wie medikamentöse Beeinflussung der Blasenfunktion, physiotherapeutische Maßnahmen wie spezielle Beckenboden-Gymnastik, Regulierung von Trinkgewohnheiten und Toilettengang oder eine Hormonersatztherapie zur Verbesserung der durch Hormonmangel verminderten Elastizität der Beckenbodenstrukturen nach den Wechseljahren oder der Einsatz von Hilfsmitteln wie Pessaren sinnvoll.

Wenn konservative Therapien keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben sind ggf. operative Behandlungen angezeigt. Dabei werden verschiedene Operationsverfahren angewandt, bei denen durch Operation von der Scheide aus, durch Bauchspiegelung oder durch Bauchschnitt die ursächlichen Veränderungen im Bereich des Beckenbodens korrigiert werden.

Zu den in unserer Klinik angewandten Methoden gehören sowohl konventionelle als auch neuere Verfahren inklusive der Einbringung von Kunstfaser-Bändern oder Netzen zur Wiederherstellung einer regulären Beckenbodenfunktion:

Das verwendete Kunstfasermaterial (Polypropylen) ist überwiegend resorbierbar (auflösbar). Durch Einwachsen von Bindegewebsfasern in die Bänder oder Netze entsteht eine stabile Verbindung mit dem umliegenden Gewebe - das endgültige Ergebnis läßt sich Abschluß der Wundheilung etwa 3 bis 6 Monate nach Operation beurteilen.

Was können Sie tun?

Wenn Sie unter Inkontinenzbeschwerden leiden, sprechen Sie das Thema bei Ihrem nächsten Arztbesuch an. Eine Überweisung in unsere urogynäkologische Sprechstunde kann dann der nächste Schritt sein. Vor dem Arztbesuch bzw. der Vorstellung in unserer Sprechstunde sollten Sie über folgende Fragen nachdenken - Sie erleichtern so die weiteren Entscheidungen über notwendige diagnostische und therapeutische Maßnahmen.

 

Letzte Aktualisierung 28.02.2011nach oben

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